Wie dezentrale Web-Prinzipien eine Alternative zu Corporate Networks skizzieren können.
Inhalte werden unter einer eigenen Domain veröffentlicht (statt „in einer App zu verschwinden“).
Inhalte werden über RSS abonniert und in einem Reader gesammelt – ohne zentralen Plattform-Feed.
Entdeckung/Vernetzung passiert über „Ringe“ (sichtbare Listen von Domains) statt über einen zentral kontrollierten Social Graph.
Worum geht es in der Arbeit?
Digitale Plattformen strukturieren heute viele Alltagsbereiche. Die Regeln, Schnittstellen und Geschäftsmodelle dieser Systeme werden von den Betreibern vorgegeben.
Die Arbeit untersucht, ob sich zentrale Funktionen von Social Media (veröffentlichen, lesen, entdecken) mit einfacheren, offenen Web-Prinzipien abbilden lassen – mit weniger Abhängigkeit von einzelnen Plattformen.
Warum entstehen Abhängigkeiten in Corporate Networks?
Das Web verschiebt sich von vielen unabhängigen Websites hin zu wenigen Plattformen. Dadurch laufen Kommunikation, Inhalte und Handel immer öfter durch zentrale Systeme. Wer die Plattform besitzt, bestimmt die Bedingungen.
Welche Ziele verfolgt das Konzept?
Das Ziel ist digitale Souveränität: weniger Abhängigkeit von zentralen Plattformen und mehr Selbstbestimmung in digitalen Räumen.
In der Arbeit wird „digitale Souveränität“ als Bündel von Eigenschaften verstanden, die im Alltag überprüfbar sein müssen. Die folgenden Kriterien dienen als Orientierung für den Entwurf.
Digitale Souveränität erfordert, dass Nutzer die tatsächliche Verfügungsgewalt über ihre Identität und Daten behalten. Dies umfasst neben Profilangaben auch soziale Beziehungen, Inhalte und Metadaten. Wirkliche Kontrolle entsteht dabei durch Transparenz über die Datenerhebung, aktiven Einfluss auf Speicherung und Zugriff sowie die uneingeschränkte Portabilität der Daten. Eine souveräne Lösung verhindert die faktische Bindung an einen Anbieter, indem sie die Entscheidungsmacht über Umfang, Zweck und kommerzielle Nutzung der Daten konsequent vom Plattformbetreiber zurück in die Hände der Nutzer legt.
Wie sieht das Konzept konkret aus?
Der Entwurf übersetzt drei offene Web-Prinzipien in eine mobile-first Logik: Inhalte werden unter der eigenen Domain veröffentlicht, über RSS gelesen und über abonnierbare Listen („Ringe“) entdeckt. Statt eines Corporate Networks bleibt die Quelle im offenen Web – und Nutzer:innen stellen Input, Output und Verbindungen bewusst selbst zusammen.
Output: Ein einfacher Builder ermöglicht es, Beiträge zu erstellen, die nicht innerhalb einer App verbleiben, sondern als Webinhalte auf der eigenen Domain veröffentlicht werden.
Die Domain fungiert dabei als stabiler Identitätsanker: Profil, Inhalte und Archiv sind über eigene URLs erreichbar und bleiben unabhängig von einer Plattform. Plattformen können – wenn gewünscht – weiterhin als Kanäle dienen, aber der Ursprung liegt im eigenen Webraum.
Input: Statt eines zentral gesteuerten Feeds nutzt der Entwurf RSS als Distributionslogik. Nutzer:innen abonnieren Quellen (Domains, Linklisten, Ringe) und stellen ihren Feed bewusst selbst zusammen.
Sichtbarkeit wird damit nicht durch einen proprietären Algorithmus „zugeteilt“, sondern durch nachvollziehbare Abonnements organisiert. Der Reader wird zur neutralen Oberfläche: Darstellung und Quelle sind getrennt – und Sortierung kann als bewusste Option (z. B. chronologisch oder thematisch) gestaltet werden.
Connection: Für Entdeckung ergänzt der Entwurf RSS um „Ringe“: kuratierte, sichtbare und abonnierbare Listen von Domains (z. B. Freundeskreis, Thema, Kurator:innenliste).
Über Ringe können Nutzer:innen neue Quellen finden und in ihren Feed übernehmen – ohne dass ein zentraler Plattformbetreiber den sozialen Graphen kontrolliert. Vernetzung entsteht so über offene, nachvollziehbare Verweise statt über ein einziges Corporate Network.
Beiträge als Web-Content publizieren – mit Profil/Archiv über stabile URLs.
Flow: Erstellen → publizieren → Feed aktualisiert sich.



Hinweis: Die Previews zeigen eine UI/Flow-Demo (Klickdummy) – keine vollständige technische Implementierung.
Digitale Souveränität meint die Fähigkeit, digitale Dienste zu nutzen, ohne dabei dauerhaft von einzelnen Anbietern abhängig zu sein. Dazu gehören Kontrolle über Identität und Daten, echte Wechselmöglichkeiten, nachvollziehbare Vermittlungslogiken und Regeln, die transparent und anfechtbar sind.